Fisch auf dem Teller, Krise im Meer – was steckt dahinter?
Shownotes
In dieser Folge sprechen wir über den Zustand unserer Meere – ein Thema, das uns alle betrifft. Überfischung und zerstörte Ökosysteme setzen die Ozeane unter Druck, während Fisch gleichzeitig für Millionen Menschen eine wichtige Nahrungsquelle bleibt. Wie lässt sich das vereinbaren?
Gemeinsam mit Dr. Iris Ziegler, Haiexpertin und Leiterin der Abteilung für Internationalen Meeresschutz bei der Deutschen Stiftung Meeresschutz, beleuchten wir die aktuelle Lage der Meere. Wir hinterfragen Nachhaltigkeitssiegel wie das MSC-Siegel, räumen mit Mythen rund um nachhaltigen Fischkonsum auf und diskutieren, welche konkreten Schritte Politik, Wirtschaft und jeder Einzelne von uns zum Schutz der Nahrungsgrundlage Fisch beitragen kann.
Veröffentlicht im Juni 2026
Positionspapier: Fischkonsumwende und Tranzparenz in Fischlieferketten
Bericht von Make Stewardship Count zum Thema Nachhaltigkeitssiegel: Beyond Certification
Aktuelle Beiträge zum Thema Überfischung und Fischkonsum im Blog von Essen mit Zukunft
WWF Fischratgeber: Karpfen im Salzmantel
Herzlichen Dank an Dr. Iris Ziegler für das Gespräch!
Feedback an: podcast@essen-mit-zukunft.de
Schnitt/Mixing: Felix Mennen
Transkript anzeigen
00:00:16: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcast ist was den podcast von essen mit zukunft.
00:00:22: Wir sind eine gemeinnützige Organisation und setzen uns für ein global gerechtes und nachhaltiges Ernährungssystem ein.
00:00:29: Ich bin Mireille, heute sprechen wir über ein Thema das uns alle betrifft – auch wenn es oft sehr weit entfernt scheint!
00:00:37: Den Zustand unserer Meere.
00:00:39: Über Fischung und zerstörte Ökosysteme stellen unsere Ozeane vor enorme Herausforderungen.
00:00:45: Gleichzeitig spielt Fisch für Millionen Menschen weltweit eine zentrale Rolle in der Ernährung.
00:00:52: Wie passt das zusammen und was muss sich ändern?
00:00:55: Ein besonderer Fokus der heutigen Sendung liegt auch auf Nachhaltigkeitssegeln wie dem MSC-Siegel.
00:01:03: Wie verlässlich sind diese eigentlich, können sie wirklich Orientierung beim Fischkauf bieten?
00:01:09: Darüber spreche ich heute mit Dr.
00:01:10: Iris Siegler, sie ist High-Expertin und leitet die Abteilung für internationalen Meeresschutz bei der deutschen Stiftung Meeresschutz.
00:01:20: Gemeinsam werfen wir einen Blick auf die aktuelle Lage der Meere, diskutieren Mythen rund um nachhaltigen Fischkonsum und fragen was können Politik, Wirtschaft und wir selbst konkret tun?
00:01:41: Ja, ich begrüße ganz herzlich Iris Ziegler heute bei uns im Online-Studio und freue mich sehr dass wir über das wichtige Thema Meeresschutz und nachhaltige Fischerei sprechen.
00:01:53: Iris herzlichen willkommen!
00:01:56: Du engagierst dich ja schon seit vielen Jahren im Meeresschutz bist High Experten und weltweit für den Schutz der Meere unterwegs.
00:02:05: Wenn du uns einen Überblick geben würdest, wie steht es aktuell um die Meere und ihre Bewohner?
00:02:15: Vielen Dank erst mal.
00:02:17: Diese Frage ist natürlich nicht unerwartet aber die Antwort kennen wir glaube ich auch alle.
00:02:22: Es ist gerade überall das Thema.
00:02:26: Es steht sehr schlecht!
00:02:27: um unsere Meere und die Meeres sind die Lebensader unseres Planeten.
00:02:32: Das heißt, es steht um unserem Planeten, um uns alle sehr schlecht.
00:02:37: Und warum's um die Meere so schlecht steht?
00:02:40: Das hat viele Ursachen aber das größte Problem ist tatsächlich – und das betrifft vor allem die Meersbewohner – die Meeren sind und werden überfischt.
00:02:51: Wir nehmen viel zu viel Fisch und Meeresbewohner raus, als dass unsere Meere nachproduzieren könnten.
00:02:59: Und das immer unter dem Argument wir müssen die Ernährung der Bevölkerung sichern.
00:03:05: Tatsächlich ist es aber wirklich so, dass wir das Gegenteil tun.
00:03:08: Wir riskieren, dass bald die Ressource mehr überhaupt nicht mehr zur Nahrungssicherung zur Verfügung haben.
00:03:17: Steht es leider diesbezüglich um meine Schutzbefohlenen, die Haie.
00:03:22: Und wenn ich sage Haie dann mein ich damit Haie und Rochen weil das sind die engsten Vermanden und denen geht's leider ganz genau so schlecht.
00:03:30: also es sind nicht nur die tatsächlichen wie man sagt echten Haie sondern auch die rochen und dies extrem schlecht steht und es sind ja immer wieder im Raum auch von der IUCN, also der Internationalen Organisation für den Naturschutz.
00:03:50: Die Bedrohung der Bewohner unserer Erde immer wieder in Ratings darstellt und die Bedrohhung ist einstuft.
00:03:59: Und da ist ganz klar weit über einen Drittel aller heute bekannten Hei- und Rochenarten sind vom Aussterben bedroht.
00:04:10: Nicht alle gleich stark, aber alle bedroht.
00:04:16: Ja kann man ja wirklich so von einer Krise in den Meeren und auch für die Meeresbewohner sprechen?
00:04:22: Du hast es schon gesagt also weltweit gibt es diese Überfischung jetzt einmal mit Blick bei uns sozusagen eigentlich vor unserer Haustür.
00:04:35: Wie sieht das denn hier in Deutschland oder auch in Europa?
00:04:41: mit den Fischbeständen?
00:04:46: Ja, also wenn ich sage weltweit dann ist es leider so.
00:04:49: Es gibt natürlich regionale Unterschiede Und erst vor kurzem, also vor zwei Tagen wurde der neueste Bericht der FAO zum Zustand der Meere und zwar zum internationalen Zustand Der Meere veröffentlicht.
00:05:05: Wo auch wieder Zahlen eben zu wie viele Fischbestände sind gelten als überfischt?
00:05:10: Wie viele werden bis zum Maximum B-Fischt?
00:05:13: also das wird dann noch als nachhaltig bezeichnet heißt aber wirklich mehr geht nicht.
00:05:18: ja welche sind sozusagen noch unterfischt.
00:05:23: Also da wäre noch sogar die Möglichkeit, etwas mehr zu fischen und tatsächlich ist es nur so dass sixty-two Prozent sozusagen nachhaltig befischt werden oder nicht bis zum Maximum was im Umkehrschluss heißt fast vierzig Prozent der Bestände sind überfisht und das schließt Europa Deutschland überhaupt nicht aus, ganz im Gegenteil.
00:05:52: Also wenn wir die Ostsee nehmen dann steht es um die besonders schlecht.
00:05:57: Wir sind inzwischen soweit dass der Dorsch also ein Allerweltsfisch eigentlich früher überhaupt nicht mehr gefangen werden darf Nicht mal mehr von Freizeit anglern.
00:06:09: Und das heißt zwar nicht, dass er nicht mehr gefangen wird.
00:06:12: Weil er ist nach wie vor beifang aber er darf nicht mehr gezielt befischt werden.
00:06:16: und das ist schon ein Zeichen wie schlecht es eigentlich um unsere Fischbestände steht.
00:06:22: und auch da wieder gilt es... Es ist Haus gemacht!
00:06:26: Es ist Menschen gemacht.
00:06:27: wir haben Jahrzehnte lang viel zuviel rausgenommen nicht auf die Stimmen der Wissenschaftler gehört, die gesagt haben das ist zu viel.
00:06:37: Das funktioniert nicht.
00:06:39: und jetzt haben wir wie man so schön sagt den Salat.
00:06:44: Wir sind wirklich mit vielen Beständen auch für die deutsche Fischerei am Ende Und das müsste nicht so sein.
00:06:54: Ja, da würde ich gerne nochmal nachwagen.
00:06:56: Also du meinst ja so das ist auch Haus gemacht.
00:06:59: Wie werden denn überhaupt diese Quoten festgelegt?
00:07:04: Also wer legt fest wie viel wo gefischt werden darf und was?
00:07:13: da scheint es ja Probleme zu geben.
00:07:17: Ja, also das Problem ist überall das gleiche.
00:07:20: Wer das wie festlegt?
00:07:22: Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich und das ist richtig!
00:07:26: Ja, also da muss ich ein bisschen weiter ausholen.
00:07:28: Man muss erst mal unterscheiden.
00:07:30: sprechen wir von den Hochheitsgewässern eines Landes.
00:07:34: Da darf das natürlich selbst bestimmen was es gerne machen möchte.
00:07:38: Sprechen wie über die ausschließlich Wirtschaftszone?
00:07:41: Da wird es schon anders weil da reden andere auch mit Weil die gehören zum Großteil zu so genannten RFMOs als regionalen Fischereimen Management Organisationsgebieten wo die bestimmen, weil eben viele betroffen sind.
00:07:58: oder reden wir über die Hochsee.
00:08:00: Und da gibt es auch entweder diese regionalen Management-Organisation oder gar nichts.
00:08:07: Da kann dann jeder machen was er will und was dann auch de facto so passiert.
00:08:12: Wenn wir über EU sprechen wird Fischerei gehört zu den Bereichen, die die EU regelt also nicht die einzelnen Mitgliedsstaaten alleine.
00:08:24: Und für die EU wird es tatsächlich so gemacht, dass die Quoten – also nicht nur die Quote.
00:08:31: Die Quoten ist die Verteilung zwischen allen, sondern die maximalen Fangmengel für jeden Bestand jährlich oder alle paar Jahre festgelegt werden und zwar basierend auf dem Rad von einer wissenschaftlichen Organisation, die Und dies schlagen vor, basierend auf wissenschaftlichen Bestandsaufnahmen oder auch nur Modellen von der letzten Bestandaufnahme.
00:09:03: Wie es um den Bestand aussehen sollte nehmen natürlich die Fangmengen, die berichtet werden dabei, werden mit berücksichtigt und dann gibt's Empfehlungen.
00:09:14: Dann heißt für den Dorsch, für den Hering, für was auch immer wird Sohn so viel empfohlen.
00:09:21: Und das wird dann zwischen den Mitgliedstaaten aufgeteilt beziehungsweise, wenn es eben Gewässer sind wo dann auch gemeinsam also die Norweger zum Beispiel fischen oder jetzt eben auch die Briten weil sie ja nicht mehr zur EU gehören, dann wird das zwischen den entsprechenden Mitgliedern verteilt in den regionalen Fischereimenagementorganisationen.
00:09:47: Also da gibt's einige Die, die für mich am wichtigsten sind, weil sie eben auch die größten Mengen an High-Fänge mit beinhalten und zwar von allem von Hochseehain.
00:10:02: Das sind die Tunfischereimanagementorganisationen.
00:10:06: da gibt es vier große Regionale einmal zweimal Pazifik einem Atlantik und einem indischen Ozean.
00:10:14: Da wird das anders gemacht Die legen das selber fest.
00:10:18: Also die haben ihre eigenen wissenschaftlichen Kremien, die diese Bestandsaufnahmen regelmäßig machen bewährten Modelle dafür vorschlagen und dann Projektionen machen Und dann gibt es eben auch ein wissenschaftliche Empfehlung.
00:10:34: Also erst mal hört es sicher nach einem System an, also es gibt wissenschaftliche Empfehlungen die dann ja eigentlich auch umgesetzt werden sollten.
00:10:44: Ich würde da auf jeden Fall noch einmal mit dir drüber sprechen wollen möchte aber vor nochmal sozusagen kleinen Haken oder genau eine andere Frage vorher einschieben.
00:11:01: Was du erzählt hast, zeigt ja dass wir jetzt hier Deutschland oder auch Europa eigentlich schon ziemlich lange die Fischbestände ziemlich dezimiert sind nahezu zusammengebrochen einige.
00:11:18: Das heißt dann auch das eigentlich Fischkonsum nicht mehr regional ist und man sieht ja auch Deutschland importiert rund neunzig Prozent seines Fisches.
00:11:28: also Das ist eine große Menge.
00:11:32: Da möchte ich noch mal fragen, welche Auswirkungen hat das dann auch insgesamt?
00:11:38: Also auf globale Märkte und insbesondere auf Länder und Menschen im globalen Süden?
00:11:46: Ja, das ist genau das Problem.
00:11:49: Wir importieren sehr viel Fisch wir fangen auch viel selber aber wir importieren noch viel mehr weil wir unseren Bedarf eigentlich gar nicht aus den eigenen nicht mal aus dem EU Gewässern decken können.
00:12:00: Das hat auch damit zu tun dass wir immer mehr Fisch essen denen es bei uns gar nicht gibt.
00:12:07: also während man früher vielleicht in Herring gegessen hat wird heute vor allem sehr beliebt ich habe es gerade schon angesprochen Tunfisch und auch Lachs, und auch andere Arten die weltweit importiert werden müssen.
00:12:20: Und das bedeutet dass auch dort immer mehr gefangen wird um uns möglichst billig diesen Fisch zur Verfügung zu stellen.
00:12:30: Genau das ist das größte Problem dieser Preisklammer.
00:12:37: Wir wollen mehr Fisch.
00:12:38: Also der Fischkonsum in Deutschland und auch in Europa ist in den letzten Jahren immer weiter gewachsen.
00:12:45: Und wir wollen diesen Fisch natürlich so billig wie möglich haben, genau das ist die Quadratur des Kreises, die nicht geht.
00:12:55: Billig heißt es wird mit Methoden gefangen... die nicht nachhaltig sein können, weil billig heißt möglichst viel in möglichst kurzer Zeit mit wirklich wenig Einsatz an Arbeitskraft.
00:13:07: Vor allem nicht also an hoch bezahlter Arbeitskraft sondern wenn dann billig Arbeitskraft.
00:13:13: und genau das ist dann sozusagen was das ganze Dilemma verursacht.
00:13:19: es wird in Regionen gefischt mit Methoden gefisht, die absolut den Boden, also die Meeresumgebung zerstören.
00:13:28: Die jede Menge Beifang produzieren das heißt Meeresbewohner, die eigentlich nicht die Zielart sind, die entweder tot oder sterbend wieder zurückgeworfen entsorgt werden oder mit angelandet mitverkauft werden aber deren Bestände noch dramatischer getroffen sind als die Zielart und eben aber trotzdem mitgefangen werden.
00:13:53: Und dann ist es natürlich auch so, wir haben es ja angesprochen globaler Süden.
00:13:58: Das heißt das sind eigentlich die ärmsten der Armen, die schon besonders unter all diesen Klimaveränderungen leiden, die wirtschaftlich weit unter unseren Standards liegen.
00:14:10: und dort wird möglichst billig viel Fisch gefangen, um ihn hierher zu exportieren.
00:14:16: Was zum Teil so weit führt dass Fisch für den Export gefangen wird und die Bevölkerung vor Ort eigentlich keinen Fisch mehr hat.
00:14:25: Dann gibt es aber da viele Länder.
00:14:27: die sind wirklich als Fisch auf Fisch als einzige tierische Eiweißquelle angewiesen.
00:14:34: Wir haben jede Menge Alternativen.
00:14:36: Wir haben Fleisch, jede Menge tierische Eiweiße und wir brauchen auch gar nicht so viel tierisches Eiweiß aber dort in Regionen wie zum Beispiel der Elfenbeinküste oder auch Madagaskar.
00:14:48: die haben nicht viel und deren Landwirtschaft ist auch nicht in der Lage die Bevölkerung wirklich zu ernähren.
00:14:55: das heißt Fisch ist die einzige vernünftige Proteinquelle.
00:14:59: Und genau die leiden am meisten weil sie fangen schon nichts mehr.
00:15:02: Und wenn es dann um diese internationalen Management-Organisation geht, dann kriegen sie auch noch die geringsten Quoten ab.
00:15:10: Das heißt wir eskalieren das Drama dass wir den globalen Süden benachteiligen eigentlich mehr und mehr und versuchen für uns möglichst günstig Fisch zu bekommen und treiben damit auch noch dieses diese Überfischungsmaschinerie weiter an.
00:15:31: Das klingt tatsächlich, also mir kommt irgendwie auch so der Vergleich was wir ja auch sehen hier mit unserem Fleischkonsum und Massentierhaltung und den ganzen Importen von Futtermitteln.
00:15:44: Also diese Masse und dann halt zu billigen Preisen.
00:15:52: Wir sprechen auf jeden Fall noch über das Thema Fischkonsuum.
00:15:55: Das ist natürlich ganz wichtig.
00:15:56: Das hast du auch schon kurz angesprochen dass es vor allem wichtig ist, dass Fisch als Nahrungsquelle im globalen Süden weiterhin zur Verfügung steht.
00:16:09: Weil dort wird der Fisch benötigt für Nährstoffzufuhr, Proteinversorgung.
00:16:18: noch mal auf das Thema, also das ist ja jetzt so wie ich dich auch verstehe und du bist ja schon sehr lange dabei.
00:16:24: Das ist ja irgendwie alles nicht richtig, das ist eine Entwicklung die es wahrscheinlich auch schon eine ganze Weile gibt.
00:16:30: Es gibt immer wieder diesen Bericht von der FAO auch, der jedes Jahr zeigt in welche Richtung wir uns bewegen und die Überfischung nimmt trotzdem weiterhin zu.
00:16:43: Also nochmal die Frage... Warum läuft das so schief?
00:16:47: Und was braucht es deiner Meinung nach oder auch aus deiner Organisation heraus, der du arbeitest.
00:16:57: Was braucht es für Regelungen und eine nachhaltige Fischerei?
00:17:03: Ja, das ist genau das Stichwort nachhaltige Fischerei.
00:17:07: Und wir hatten ja vorhin schon mal darüber gesprochen wie sozusagen maximale Fangmengen und dann hinterher auch Quoten ursprünglich entstehen?
00:17:19: Wir haben aber aufgehört wo es wirklich interessant wird.
00:17:22: weil also die wissenschaftlichen Empfehlungen für die maximalen Fangmängen Das ist die eine Seite Die ist oftmals viel zu hoch weil natürlich die Empfehlungen dann basierend auf bestimmten Annahmen getroffen werden.
00:17:38: Und diese Annahme gehen heute, und das ist eben basiernd Allgemeinen Konventionen, wie werden maximale Fangenmengen oder was wir maximal entnehmen können festgelegt?
00:17:54: Und da spricht man über diesen Maximum Sustainable yield.
00:17:57: Also das, was maximal entnommen werden kann und immer wieder nachproduziert werden kann.
00:18:04: Und zwar dann nachproduiziert werden kann wenn der Bestand eine Größe hat um diesen maximalen Fang oder diese maximale Entnahme dauerhaft zu produzieren.
00:18:18: Und da ist schon die erste Problematik, weil das wird für eine einzelne isolierte sozusagen wir tun so als gäbe es nichts drum herum Bestand festgelegt.
00:18:30: also wenn wir jetzt den Tunfisch im Südatlantik nehmen dann wird da geguckt okay was kann der maximal produzieren dauerhaft?
00:18:39: Wir gucken aber nicht welche anderen bestände werden noch gleichzeitig gefangen und was hat das für Einflüsse?
00:18:48: Und wir schauen auch nicht, was hat der Thunfisch noch für eine Rolle im Ökosystem.
00:18:54: Wer braucht ihn sozusagen vielleicht als Nahrungsquelle?
00:18:58: Oder wenn wir über kleinere Fischarten sprechen, dann wird das noch viel relevante.
00:19:02: Weil diese sind ja mit der Nahrungsbestandteil für die ganzen Größeren.
00:19:07: oder was hat dieser Bestand?
00:19:09: Wenn wir über die größeren Raubfische sprechen, sonst noch für Aufgaben in der Natur, die er nur unter einer bestimmten Größe leisten kann.
00:19:19: Also wir sprechen dann sozusagen von den Ökosystemleistungen Und genau das wird alles momentan nicht ausreichend berücksichtigt.
00:19:30: und die noch größere Problematik ist, also dass es die wissenschaftliche Seite.
00:19:36: Die andere Problematika ist dann – und da kommen die Manager ins Spiel – wenn wir die wissenschaftlichen Empfehlungen haben was sollte die maximale Fangmenge sein?
00:19:47: Dann entscheiden die Manager Und das sind eben unter, also in der EU sind es die Mitgliedsstaaten im Council.
00:19:57: Also im Rat, die das dann sozusagen untereinander aus... Manchmal habe ich schon das Gefühl, dass sie nicht nur handeln sondern wirklich auspalabern.
00:20:09: und bei den RFMO-Sins natürlich die einzelne Mitgliedstaaten.
00:20:14: Und da passiert ganz oft das, was nicht passieren sollte.
00:20:17: Man folgt den wissenschaftlichen Ratschlägen nicht.
00:20:21: Sondern man geht einfach zehn, zwanzig, dreißig Prozent drüber.
00:20:25: Vierzig also... Was auch immer!
00:20:27: Oder man ignoriert's ganz und legt überhaupt keine maximalen Fangmengen fest sondern lässt das Ganze sozusagen frei laufen.
00:20:36: und das passiert zum Beispiel bisher immer noch mit den allermeisten Heibeständen und Rochenbeständen.
00:20:41: Für die gibt es gar keine maximalen Fangmeng, vor allem nicht in der Hochsee.
00:20:46: Das heißt jeder kann sich bedienen so viel er möchte und das ist genau die Problematik.
00:20:52: also zum einen die wissenschaftliche Annahme Weil Wissenschaft ist das eine, aber sie braucht ja auch Vorgaben.
00:21:01: Und diese Vorgabens sind falsch gesetzt mit dem Maximum Sustainable Yield und der Bestandsgröße die zu diesem Maximum sustainable yield führt.
00:21:12: Auf der anderen Seite der Wille, der politische Wille von Managern, Landwirtschaft und Fischereimenministerien von der Kommission, der EU-Kommission für die Meere, also Digimare in Brüssel das entsprechend anzunehmen und umzusetzen.
00:21:36: Also ist tatsächlich die Basis für die Bewertung schon nicht ganz klar?
00:21:44: Und es gibt auch gar keine Instanz... die da auch einschreitet und das regelt und sagt okay, nee.
00:21:53: Das ist jetzt festgelegt und da kann jetzt nicht zehn Prozent höher gehen.
00:21:59: Na ja!
00:21:59: Die Instanz gibt es natürlich schon aber das sind genau die Manager.
00:22:03: Und wenn die Manager sagen wir gehen höher dann ist es genau die Probleme.
00:22:08: also es ist die politische Entscheidung wollen wir uns an den wissenschaftlichen Rat halten?
00:22:15: oder nicht.
00:22:16: Und tatsächlich ist es in Europa Jahre, Jahrzehnte lang so gewesen dass dieser ISIS-Advice der immer schon viel zu hoch war immer überzogen wurde aber immer und dann ist natürlich noch.
00:22:31: also dann werden die Quoten also die Fangmengen und dann die Quote verteilt und dann sind die auch noch überzogen worden.
00:22:38: Also die Fischereien haben sich dann einfach nicht dran gehalten und das zeigt natürlich wo die Problematik liegt
00:22:45: Und es zeigt auch das, wo wir heute stehen.
00:22:48: Also es gibt ja viele Regelungen europaweit und auch international zum Thema Meeresschutz und Fischerei.
00:22:57: Gibt es denn auch irgendwas Positives zu berichten was vielleicht in den letzten Jahren auf den Weg gebracht wurde?
00:23:07: Naja also wenn's nichts Positives ab und zu mal geht dann würden wir glaube ich alle Ja, verzweifeln oder uns Dauer bedrinken müssen.
00:23:16: Nein es gibt natürlich schon Fortschritt Gott sei Dank muss man sagen aber ist natürlich viel zu langsam.
00:23:22: also ich arbeite ja vor allem auf dem Bereich Haie und das vielleicht noch hier eingeschoben.
00:23:28: warum Haie?
00:23:29: Also Haie sollte man schützen.
00:23:31: leider ist es aber so.
00:23:33: Haie werden gezielt gefangen sie werden als... Sie sind Fische Allerdings halt ganz anders als die anderen Fische, ja, die sogenannten Knochenfische.
00:23:41: Sie werden aber dennoch wie Fische behandelt.
00:23:44: Das heißt, Fische kann man fangen und Fische kan man für Nahrungsgewinnung verwenden oder auch noch andere Dinge und Heie werden traditionell und zunehmend industriell Maßstab gefangen.
00:23:58: weltweit Und da war ab Jahr ich habe es vorhin schon angesprochen gab es bisher eigentlich überhaupt nichts an Grenzen.
00:24:07: Vielleicht in einzelnen Ländern, die EU hat bestimmte Fangmengen zum Beispiel für den Dornheil festgelegt aber es dabei geschafft in dem Bestand zum kompletten Zusammenbruch zu bringen.
00:24:19: wir sehen heute dass sich langsam die Einstellung wandelt das man sagt na ja auch heile müssen gemanagt werden und ein.
00:24:30: Ein Erfolg dafür, haben wir wirklich gesehen im Atlantik.
00:24:34: Wo erstmals seit Jahr zwanzig dreiundzwanzig, da wurde ein neue Bestandsaufnahme gemacht und dann wurde in dem zuständigen ADFMO also der heißt ICAT die internationale Kommission zum Schutz des atlantischen Tunfisches aber gefangen werden eben auch heil.
00:24:56: Die hat dann festgelegt, dass es Fangmengen-Begrenzungen geben muss basierend auf diesen Bestandsaufnahme und hat die auch an die einzelnen Mitgliedsstaaten verteilt.
00:25:07: Dass diese Mengen viel zu hoch angesetzt worden sind?
00:25:10: Da ist wieder das Problem.
00:25:13: Die Wissenschaft hat das eine empfohlen.
00:25:15: Die Manager haben aber trotzdem höher gegangen, aber zumindest gibt's mal was.
00:25:21: Das heißt noch nicht, auch eingehalten wird, aber wenn wir nicht Vorgaben haben dann passiert gar nichts.
00:25:29: Von daher würde ich das als Erfolg sehen.
00:25:32: Wir sehen auch dass immer mehr Arten sozusagen überhaupt nicht mehr befischt werden dürfen.
00:25:38: also vorhin hatte ich ja auch das Beispiel Dorsch angesprochen.
00:25:42: Also auch das ist ein Erfolg, dass man sagt man darf ihn jetzt nicht mehr aktiv befischen.
00:25:47: Es ist halt nur leider viel zu spät.
00:25:50: Der Erfolg ist letztendlich dass man langsam immer mehr auf die Wissenschaftler hört Aber eben leider Gottes in vielen Fällen fast zu spät schon.
00:26:00: Also ganz, ganz wichtig da auf jeden Fall dran zu bleiben und auch ich denke mal gerade diese ganzen internationalen Abstimmung dass das auch weiter verfolgt wird.
00:26:13: Ich würde jetzt ganz gerne nochmal also genau zum einen Fischerei Und dann mit Blick auf uns Verbraucherinnen Fischkonsum.
00:26:25: Da ist jetzt auch die Frage, wie ist es denn für uns Verbraucherinnen beim Thema Fischkonsum?
00:26:33: Wie können wir dann einen nachhaltigen Fischkonzum umsetzen?
00:26:40: und da gibt es Siegel.
00:26:43: Das MSC-Siegel gilt im Bereich Fisch für viele Menschen als Orientierung Aber das scheint es auch einige Probleme zu geben.
00:26:55: Also nochmal meine Frage da auch an dich, warum reichen diese Siegel aus deiner Sicht nicht aus?
00:27:05: Ja sie reichen leider überhaupt nicht aus.
00:27:07: weil also der Verbraucher ist hier in einem echten Dilemma.
00:27:11: Wir hatten es vorhin schon angesprochen, wir essen immer mehr Fisch.
00:27:14: Fisch wird als gesund empfunden oder empfohlen und deswegen wollen viele Verbraucher natürlich immer mehr fisch.
00:27:20: Mehr Fisch aus dem Meer ist sehr beliebt, wird immer beliebter und auch andere Meeresbewohner also ganzen Schalentiere aber im Unterschied zur Produkte die auf den Land erzeugt werden.
00:27:36: Also wenn ich nachhaltige Eier haben will Dann kann ich bei meinem Bauer in der Nachbarschaft gucken, wie hält er seine Hühner?
00:27:44: Das kann ich mir anschauen.
00:27:47: Beim Fisch hat der Verbraucher vor allem wenn wir über mehr Fische sprechen also ist nicht überzeugt.
00:27:52: dann hat er keine Chance!
00:27:54: Ich kann es mir nicht anschauen.
00:27:57: jetzt gibt es in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern die Vorgabe das gekennzeichnet werden muss auf verpackten Fisch.
00:28:06: beim Offenen, also beim Filet was man beim Fischhändler kauft ist das noch schwieriger.
00:28:11: aber beim verpackten Fisch muss draufstehen mit welcher Fangmethode er gefangen wurde und wo er gefangene wurde.
00:28:19: Was fängt der Verbraucher damit an?
00:28:21: Das heißt der Verbracher braucht tatsächlich irgendwas was ihm einfach vertrauenswürdig uns sicher signalisiert.
00:28:30: wenn ich diesen Fisch kaufe tue ich etwas Gutes für meine Meere.
00:28:35: Ich trage ihn nicht zur Überfischung bei, ich schädige keine Meeresbewohner die als Beifang gefangen werden oder zerstör sogar die Meeresumwelt.
00:28:46: und da ist das hat das MSC-Siegel sehr früh angesetzt.
00:28:50: also ich kann mich gut erinnern da war ich noch ja im Studium und da kam dieses MSC Siegels so erstmals wirklich auf dem Markt und eben für Fischereien, die anders agieren, die wirklich nachhaltig agieren.
00:29:05: Und eines der ersten Fischereiens, die das auch bekommen haben war zum Beispiel auf den Malediefen, die Tunfisch-Fischerei, die tatsächlich nur mit Angelrouten und Handleinen fangen also einer sehr schonenden und wirklich nach haltigen Methode weil wenn da was anderes dranhängt dann ist es ganz einfach dass wir da frei zu lassen und überleben.
00:29:29: Aber über die Zeit hinweg sind natürlich immer mehr Fischereien zertifiziert werden.
00:29:35: Immer größere, immer mehr Fangmethoden zertiftiert worden und das MSC Siegel.
00:29:41: also wenn man heute in Deutschland in den Supermarkt geht und auch fast überall in Europa zumindest also Österreich-Schweiz und auch in England findet man überall sämtlichen Fisch msc zertifiiert.
00:29:55: sogar Fisch in Tierfutter wird MSC-zertifiziert.
00:30:00: Also eigentlich habe ich als Verbraucher dann den Eindruck, naja also das muss ja echt sein!
00:30:08: Wir haben tatsächlich auch... wir haben angefangen vor über zehn Jahren, also Jahrzehnte, um uns das genauer anzuschauen weil wir auch gemerkt haben es werden immer mehr zertifiziert Es gibt öffentlich zugängliche Zertifizierungsberichte.
00:30:26: Aber eigentlich ist nicht so ganz klar, was wird denn da zertifiziert?
00:30:32: Und wenn man sich das genauer anschaut, dann muss man eines erst mal, dass es ganz wichtig zu verstehen, sich bewusst machen.
00:30:40: Zertificiert wird nicht, nachhaltiges, auch wenn das immer so klingt und der Text auf dem Label das suggeriert.
00:30:51: Sondern zertifiziert wird dass dieser Bestand also diese Fischart die da zertificiert ist nicht überfischt es Und das bestimmte Standardkriterien die in einem richtigen Standard hinterlegt sind bewertet werden und erfüllt wurden.
00:31:11: Ob diese Standardkriterien tatsächlich für Nachhaltigkeit stehen, das steht auf einem anderen Blatt.
00:31:18: Und genau das ist das Dilemma wo wir sind.
00:31:21: Diese Zertifizierung wird immer mehr der Verbraucher ist praktisch überall wird er mit ihr konfrontiert.
00:31:29: aber kann er wirklich vertrauen?
00:31:31: Und du hast es ja schon gesagt, es wird immer mehr Kritik auch laut daran und das ist nicht neu.
00:31:37: Also diese Kritik gibt's schon sehr lange.
00:31:40: Wir haben zusammen mit über neunzig anderen Organisationen und Wissenschaftlern schon zwei tausendachzehn eine Koalition gegründet zur Reformierung des MSCs weil wir ganz klare Defizite identifiziert haben und den MSC aufgefordert haben, die zu beheben im Rahmen seiner Standardüberarbeitung damit diese Kriterien nach denen zertifiziert wird.
00:32:08: Nicht nur für die Zielart, sondern für das ganze Meeresökussystem und allen Beifang gilt.
00:32:15: Und dass auch sichergestellt wird, Compliance, also dass sich Fischereien an Dinge halten die sie eigentlich machen müssten.
00:32:26: Die gesetzlich vorgeschrieben sind aber halt schwer zu überwachen sind auf hoher See.
00:32:33: und das ist genau das Dilemma, dass da bisher nichts passiert ist Und obwohl es Versuche gegeben hat, diesen Standard zu reformieren und es gab sogar zwischenzeitlich also für abschiedet.
00:32:49: Genau seit zwanzig dreiundzwanzig gab es einen neuen Standard der nicht alles aber viele dieser Dinge adressiert hat dann aber Anfang zwanzig, vierundzwanziger so knappen halbes Jahr nachdem er in Kraft getreten ist.
00:33:05: Wieder einkassiert wurde und jetzt gilt wieder der alte Standard.
00:33:09: Zwanzig sechsundzwannzig also Ende dieses Jahres soll tatsächlich ein überarbeiteter neuer Standard gelten, der aber viele der Verbesserungen die wir eigentlich erreicht hatten wie dazu nicht gemacht.
00:33:24: Das ist wirklich, das ist sehr interessant was du erzählst.
00:33:28: Also dann ist es eigentlich so dass diese Zertifizierung also dieses MSC-Siegel gar keine nachhaltige Fischerei garantiert weil wie ich das jetzt verstanden habe so viel auch zertifiziert wird mit unterschiedlichen Auswirkungen.
00:33:50: Ja, eigentlich in diesen Maße halt dann auch gar nicht mehr nachhaltig sein kann.
00:33:56: Du hattest schon diese Koalition angesprochen, Make Store Chip Count und ihr habt ja jetzt auch einen neuen Bericht irgendwie veröffentlicht.
00:34:13: was ist das Ziel?
00:34:16: Also geht ihr da in Gespräche auch mit dem MSC oder an die Politik?
00:34:25: Was macht ihr da konkret.
00:34:28: Ja, also ich hatte ja schon angedeutet, dass wir das jetzt seit fast zehn Jahren gemacht haben.
00:34:33: Wir haben zehn Jahre lang als Koalition auch versucht mit dem MSC zusammen Verbesserungen in den Standard umzusetzen und nachdem dieser neue Standard dann wieder einkassiert worden ist, ist eigentlich nichts mehr passiert und deswegen sind wir hingegangen Bedeutet das denn eigentlich MSC-zertifiziert?
00:35:00: Und wie kann der Verbraucher mit dieser Aussage des MSCs umgehen und haben uns mal so auch insgesamt das Weltgeschehen angeschaut.
00:35:12: Es gibt.
00:35:12: tatsächlich, also in den USA gab es einige Massenklagen, also das nennt sich so Class Actions da wo praktisch gegen... Einzelhändler oder Händler geklagt wurde, dass sie Nachhaltigkeit suggerieren, obwohl Sie die gar nicht selbst überprüfen können.
00:35:35: Weil das MSC zertifiziert zum Beispiel auch Fischereien, die den Standard überhaupt noch nicht erfüllen sondern nur mit Auflagen.
00:35:44: also sie bekommen das Siegel haben aber trotzdem noch Auflagen, die sie erfüllen müssen innerhalb der nächsten fünf Jahre.
00:35:51: Damit Sie dann sozusagen das Siegel wirklich verdienen.
00:35:54: und das war ein Punkt wo eben gerade da in USA angegriffen wurde gesagt ihr könnt doch das nicht als nachhaltig dann bezeichnen wenn ihr noch nicht mal das erfüllt.
00:36:04: Auch bei uns in Europa gibt es immer mehr Klagen.
00:36:08: Die Organisation Bloom hat zum Beispiel in den Frankreich den größten Einzelhändler verklagt, weil sie da Nachhaltigkeitsbehauptungen basierend auf MSC machen die einfach nicht tragbar sind.
00:36:20: und auch wir haben ja jetzt ab September kommen die neuen EU.
00:36:26: das soll Anti-Greenwashing sein also diese MCO Guidelines Empowerment of Consumers ist damit gemeint, dass die eben nicht mehr so leicht hinter das Licht geführt werden können.
00:36:38: Und es passieren ganz viele Dinge.
00:36:40: gerade wo klar wird Nachhaltigkeit sowie sie der Verbraucher erwarten darf ist eigentlich durch das MSC-Siegel längst nicht gewährleistet.
00:36:53: Und dann gibt es ganz große Teile, die sind im MSC Siegel natürlich überhaupt nicht berücksichtigt.
00:36:59: Wie wird mit den Menschen auf den Chefen umgegangen?
00:37:01: Also menschenrechte Arbeitsrechtverletzungen... wie sieht's um den Klimaschutz aus?
00:37:09: und auch andere Aspekte, die bei Nachhaltigkeit also wie sieht es mit Plastikeinsatz, mit Verschmutzung aus?
00:37:16: Und all diese wirklich ganzheitliche Betrachtung fehlt.
00:37:22: Genau das haben wir in unserem Bericht neutral zusammengefasst – wirklich mit Beispielen von der ganzen Welt was momentan an Initiativen läuft, um genau diese Punkte zu betrachten.
00:37:37: Und was das dann auch wirklich für den Einzelhändler bedeutet?
00:37:41: Kann ich als Einzelhandler wirklich noch hingehen und sagen Ich packe das MSC-Siegel drauf und sage damit meinen Kunden es ist alles nachhaltig wenn viele Aspekte überhaupt nicht betrachtet werden durch das Siegel und andere Aspechte wie die Umweltverträglichkeit eigentlich mit großer Vorsicht zu genießen oder betrachten sind.
00:38:05: Und genau das ist da zusammengefasst und wir haben den Bericht gemeinsam im Montag öffentlich mit einer Pressemitteilung verteilt, es soll auch im Juli ein Webinar dazu geben dazu eingeladen, weil wir natürlich auch deren Standpunkt hören wollen.
00:38:27: Aber letztendlich ist es die Aufforderung an das MSC und an die Händler, das Ganze als Teil einer Auditierung zu sehen für ein Nachhaltigkeitsversprechen, weil genau das kann das MSC-Siegel als solches nicht gewährleisten.
00:38:48: Und der Einzelhändler ist aber jetzt endlich derjenige, der für den Verbraucher der Garanz sein sollte und auch dann der entsprechende Schuldiger ist wenn das nicht der Fall ist, weil der Verbraucher verlässt sich auf das was ihm der Einzlehendler sagt Und damit ist es auch eine rechtliche Haftungssache, wie wir auch in den USA gesehen haben.
00:39:14: Verlass ich mich auf dieses Siegel oder muss sich eigentlich noch eine viel größere Judilligence haben?
00:39:21: Dass ich eben diese einzelne Aspekte betrachte und mich selbst davon überzeuge.
00:39:26: Und genau das ist das was wir erreichen wollten dass die Einzelhändler nämlich Problematik, Bewusstsein und auch ihrer Verantwortung gegenüber dem Verbraucherbewusstsein.
00:39:40: Ja super wichtig dieses das tatsächlich nochmal so aufzuschlüsseln wie du gesagt hast also Nachhaltigkeit also dass auch ganzheitlich zu betrachten.
00:39:50: ich denke wir müssen auf jeden Fall dann jetzt noch mal einen kritischen Blick auf unseren Fischkonsum hier im globalen Norden werfen.
00:39:59: Da gibt es einmal mit Blick auf die Ernährungsempfehlung, die von der deutschen Gesellschaft für Ernährungen herausgegeben werden.
00:40:08: Die Empfehlung
00:40:11: oder es wird empfohlen ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche zu essen?
00:40:16: Wie bewertest du dann diese Empfehlungen mit Blick Auf die globale Überfischung?
00:40:23: Ja also diese Empfehlungen und die gibt's leider Gottes ja schon etwas länger.
00:40:30: Fisch ist prinzipiell ein gesundes Nahrungsmittel.
00:40:33: Aber zum einen eben Mitblick auf die Überfischung können wir es überhaupt nicht verantworten, dass wir sozusagen unseren Bedarf vom Fleischkonsum auf den Fischkonsument transferieren weil diese Empfehlung ein bis zweimal die Woche Protein aus sei es Fisch oder Fleisch zu haben, also tierisches Protein.
00:40:59: Die können wir jetzt nicht vom Fleisch weggehen und auf den Fisch übertragen weil wir haben die Ressourcen nicht Und wir brauchen sie auch nicht.
00:41:07: Es gibt pflanzliche Nahrungsmittel, die hochwertiges Protein haben.
00:41:12: Das würde alle mal ausreichen für uns.
00:41:16: Also.
00:41:16: von daher Fisch als eher Delikatesse zu sehen Einmal im Monat reicht vollkommen aus Und dann bin ich auch bereit, einen höheren Preis dafür zu bezahlen.
00:41:28: Und genau das braucht es ja!
00:41:30: Weil wenn wir es so als Billig Grundnahrungsmittel hier sehen, da muss es natürlich billig sein und genau das treibt ja die Überfischung weiter an und die Ausbeutung und gerade im globalen Süden diese Schere, die immer weiter aufgeht.
00:41:46: Also das ist das eine.
00:41:48: Das andere ist, dass wir wenn wir heute von Fisch sprechen und wenn es heißt ja einmal bis zweimal die Woche Fisch auf den Tisch dann wird ja eigentlich fast nur mehr Fisch damit betrachtet vielleicht noch die Forelle dazu, die kommt aber dann aus Aquakultur.
00:42:04: Aber hauptsächlich ist es eben mehr Fische Und da muss man halt auch noch sehen, dass der nicht nur unbedingt gesund ist.
00:42:11: Wir sprechen zum einen, ich hatte das Wochenende schon gesagt.
00:42:14: Das deutschen Liebsterfisch ist der Lachs und der Thunfisch.
00:42:17: Beides sind Raubfische.
00:42:21: Der Thun-Fisch wird wild gefangen.
00:42:23: Da haben wir die Problematik dass sich alle Belastungen im Meer allen voran mit Tühlwechsel war Aber auch Hormone Mikroplastik Alles was wir an Dreck in unseren Meeren immer mehr anhäufen, reichert sich über die Nahrungskette an.
00:42:43: Und je langlebiger ein Fisch ist und je höher er in der Nahrungskette steht, desto mehr ist er auch belastet.
00:42:50: Und letztendlich essen wir das dann alles mit.
00:42:52: also so viel zum Thema Gesundheit.
00:42:55: Wenn wir über den Lachs sprechen, der ist meistens nicht wild gefangen sondern aus Aquakultur wird aber trotzdem mit Wildfisch gefüttert führt dann natürlich auch weiter dazu, dass überfischt wird.
00:43:10: Weil das sind am meisten Jungfische die zu Pellets verarbeitet werden und auch noch um die halbe Welt geschippert werden also in Südamerika gefangen und in Europa Norwegen verfüttert und die damit Überfischung anhäufen.
00:43:26: und zum anderen belasten diese Aquakulturen gerade auch Lachs weil der oftmals in den Meeren gehalten wird als Aquakultur unsere Ökosysteme Und selbst die Forelle, ja heimische Art ist.
00:43:39: Kommt.
00:43:40: aber wenn sie aus Aquakultur ist braucht sie Fisch als Futter, Fisch-Pellets als Fütter und genau das ist dann wieder wo es auch nicht nachhaltig ist.
00:43:49: also von daher ist diese Empfehlung Esst mehr Fisch wirklich gefährlich zu sehen.
00:43:55: wir brauchen ihn nicht und ich sage nicht wir sollen kein Fisch mehr essen am Gottes Willen Ja.
00:44:00: Also Fisch Ist Wirklich Ein Tolles Lebensmittel Aber Es muss einfach eine Delikatesse sein und kein Grundnahrungsmittel hier bei uns, damit der globale Süden ihn sich noch leisten kann.
00:44:12: Und noch Fisch hat den er überhaupt fangen kann und essen kann.
00:44:16: Zum anderen muss man auch bedenken dass die gesundheitlichen Folgen gerade aufgrund der Kontamination Und immer viel, also regelmäßig das ist durchaus bedeutsam sind und insbesondere für Kinder schwangere sollte man mit mehr Fisch sehr vorsichtig sein.
00:44:38: Das ist schon fast ein gutes Schlusswort.
00:44:42: Also Fisch als Delikatesse.
00:44:44: wir kommen tatsächlich auch zum Ende des Gesprächs aber ich möchte genau zum Ende nochmal eine Frage stellen ja wo siehst du denn?
00:44:53: aktuell auch die Zentren hebeln.
00:44:57: Und vielleicht kannst du das ein bisschen aufschlüsseln, einmal zu sagen was sind eigentlich deine konkreten Erwartungen jetzt an
00:45:05: Politik,
00:45:07: Wirtschaft und okay Konsumverhalten hast Du schon gesagt.
00:45:10: aber vielleicht gucken wir jetzt einfach nochmal auf
00:45:13: Politik
00:45:13: und Wirtschaft.
00:45:17: Ja also Konkret sind unsere Forderungen und das betrifft die Politik sowohl Deutschland, also weil eben die Politik der EU dann beeinflussen aber auch die EU natürlich direkt.
00:45:31: Und in Bezug auf EU einmal wie die EU in ihren eigenen Gewässern agiert und auch wie sie international als Mitglied dieser RFMOs sich positioniert.
00:45:46: Wir müssen dahin kommen, dass wir in dieser ganzen Fischerei-Politik zwei Dinge wesentlich ändern.
00:45:55: Und zum einen ist das und das ist erst mal die Grundvoraussetzung.
00:45:59: Ich muss vielleicht sagen drei Dinge.
00:46:02: Die Grundvaraussetzung ist, wir müssen alle Bestände managen.
00:46:06: Wir können es uns einfach nicht mehr leisten, ohne dass die wirklich aktiv gemanagt werden.
00:46:15: Und aktives Management heißt, ich bestimme Fangmengen basierend auf dem Zustand eines Bestands.
00:46:23: und hier kommt die zweite Forderung diese Bestandszustände und wie ich die Fangmängen daraus berechne.
00:46:31: Die dürfen nicht mehr an einzelnen Beständen sondern die müssen ökosystembasiert sein Das heißt, die müssen das gesamte Ökosystem betrachten.
00:46:39: Die müssen betrachten welche anderen
00:46:42: Arten
00:46:42: und vor allem welche gefährdeten Arten werden noch mitgefangen?
00:46:47: Was ist der Einfluss dieser Fischerei auf das gesamtes Ökosesystem?
00:46:50: Da geht es also auch um die Meereslandschaft.
00:46:53: ja inwieweit wird Meeresboden zerstört?
00:46:56: Und dann darf nicht mehr sozusagen dahin gegangen werden und sagen, wir entnehmen das Maximale.
00:47:03: Sondern wir müssen in diesem ökosystembasierten Ansatz die Funktionen der einzelnen Bestände innerhalb des Ökosistems also diese Ökossystem Dienstleistungen mit berücksichtigen.
00:47:16: Also wenn wir das hinbekommen erst mal alles managen.
00:47:19: zum zweiten Ökostem basiert integriert managen Und nicht auf Einzel maximale Ausbeute.
00:47:27: Und das Dritte, was passieren muss ist wir müssen das Ganze natürlich auch also meaningvoll wirklich effektiv, wirkungsvoll überwachen.
00:47:39: Es hilft nichts wenn wir sagen ja die machen das alles dann schon und wir sehen es immer wieder Wir wissen viel zu wenig was bei Gott und auf hoher See da bist du allein so ungefähr passiert.
00:47:56: Momentan ist in der Hochsee und in allen RfMOs eine Beobachterquote von fünf Prozent verlangt.
00:48:06: Das heißt, fünf Prozent des gefangenen Fisches noch nicht mal fünf Prozent aller Fangaktivitäten sondern nur die Gesamtmenge wird beobachtet.
00:48:15: das heißt da ist ein unabhängiger Beobacher am Bord, der dokumentiert was passiert wie weit der immer unabhängig ist es nochmal dahingestellt Aber das reicht absolut nicht aus.
00:48:28: Also ich meine, wenn ich weiß, fünf Prozent werde ich beim Schwarzparken erwischt?
00:48:35: Das rechnet sich!
00:48:36: Wir müssen diese Quote hochbringen und wir müssen moderne Technologien nutzen um viel mehr zu sehen und zu wissen und zu überwachen was auf hoher See passiert Und das muss sowohl die Hefen beinhalten als auch wirklich auf dem Meer und auch den Handel Also auch die gesamte Supply Chain nennt man das, also die Handelskette.
00:48:57: Von wo kommt der Fisch her?
00:48:59: Auf welchen Boot wurde er wann gefangen und wie kommt er über diese Handelsketten auf meinen Tisch?
00:49:08: Und genau das muss Transparenz sein!
00:49:11: Diese Überwachung über alle Glieder hinweg – das ist die dritte Säule, die wir unbedingt brauchen.
00:49:18: Für alles drei braucht es politischen Willen Nicht unbedingt immer nur von Fischereimen, also vom Fischerei-Ministerium.
00:49:29: Sondern gerade beim Handel ist es auch das Handelsministerium Wirtschaftsverbände die damit wirken müssen.
00:49:36: aber es braucht immer politischen Willen und politische Wille hängt natürlich immer mit der Wirtschaft zusammen ja.
00:49:42: Das heißt wir brauchen auch den Willen vom Handel von der Wirtschaft umzusetzen.
00:49:49: Und letztendlich sollte es ja nie am eigenen Interesse sein, weil sonst gibt's bald nichts mehr und nicht zu guter Letzt sondern das ist ja das Wichtigste.
00:49:59: aber Es muss auch klar sein, dass der Verbraucher eine Stimme hat und wir dürfen den Verbrauchern nicht mehr länger als dummen.
00:50:06: Na ja, er nimmt schon alles ab sondern immer mehr junge Menschen verstehen sehr wohl was da passiert und das sich das ändern muss.
00:50:15: aber Wir müssen ihnen eine Chance geben transparent zu verstehen Was bedeutet es wenn ich diesen Fisch kaufe oder Nicht kaufe Und umgekehrt den anderen.
00:50:25: und genau das ist das wo wir eigentlich hinkommen müssen.
00:50:29: Und vielleicht zum Abschluss.
00:50:32: In dem Fall wäre weniger mehr, weniger Fisch essen dafür aber bewusst mehr zu bezahlen und dafür zu sorgen dass er wirklich nachhaltig gefangen wurde.
00:50:44: Das Mehrbezahlen hängt damit zusammen.
00:50:46: ich kann nicht nachhaltiger agieren wenn ich auf Masse auf Billig aus bin.
00:50:51: das funktioniert nicht.
00:50:52: das haben wir gesehen in der Landwirtschaft das sehen wir überall.
00:50:56: Sobald wir über Massenausbeutung sprechen, wird es nicht mehr nachhaltig.
00:51:01: Und auch Menschenrechte gilt das Gleiche und die kommen ja auch mit rein!
00:51:09: Da hast du uns noch eine Menge, ja wichtige Punkte und wichtige Themen mit auf den Weg gegeben.
00:51:16: Wir könnten jetzt glaube ich noch eine ganze Podcast-Folge füllen und genau über das Thema Transparenz Menschenrechte und auch das was du ja auch noch kurz angesprochen hast auch Aquakultur zu sprechen.
00:51:28: Das müssen wir dann mit in eine nächste Folge nehmen.
00:51:31: Ich bedanke mich jetzt ganz herzlich für all die spannenden Einblicke, die du uns heute gegeben hast.
00:51:38: Für die Vorschläge für wirklich nachhaltigen Fischkonsum und nachhaltige Fischerei.
00:51:47: Und sage vielen Dank für das Gespräch!
00:51:51: Sehr gerne.
00:51:52: Vielen dank an dich.
00:51:53: Und vielleicht noch als Schlusswort mal sollte auch mal wieder über den guten alten Karfen nachdenken?
00:52:00: Der ist richtigen Verruf geraten, aber das könnte ein tatsächlich nachhaltiger Fisch sein mit dem man auch gerade in Europa Proteinbedarf ohne Schädigung der Meere und auch ohne Schädigung anderer Ökosysteme erzielen könnte.
00:52:19: Und er schmeckt wenn man ihn richtig zubereiten kann, tatsächlich lecker!
00:52:22: Nur die Zubereitung macht es dann natürlich auch.
00:52:25: Vielen Dank an dich.
00:52:26: Und wie du sagst, wir könnten noch lange drüber reden.
00:52:31: Ich habe es auch gar keine tatsächlichen Beispiele gebracht.
00:52:34: also ich hätte eine Latte von Beispielen die zeigen was auf unseren Meeren tatsächlich passiert und wie das dann schön verpackt wird als nachhaltig aber das hätte viel zu weit geführt vielen Dank.
00:53:09: Zum Schluss bleibt vielleicht genau dieses Bild im Kopf hängen.
00:53:13: Ein einzelner gestrandeter Wahl wie Timmy in der Ostsee bekommt enorme Aufmerksamkeit, doch eigentlich müsste genau diese Aufmerksamkeit dem Meeresschutz insgesamt gelten Denn nachhaltige Fischerei und der Schutz unserer Meere sind keine Randthemen sondern dringend notwendig.
00:53:31: Für uns als Verbraucherinnen heißt das im Moment wer wirklich nachhaltig Fisch essen will muss genauer hinschauen.
00:53:38: Ein Siege wie MSc allein reicht dafür nicht aus, dabei ist es umso wichtiger dass wir unseren eigenen Fischkonsum kritisch hinterfragen und gleichzeitig braucht es auch zeitgemäße und das heißt reduzierte Empfehlungen für unseren Fischwettseher von der deutschen Gesellschaft für Ernährung.
00:53:56: Wenn ihr nun aufmerksam geworden seid und mehr zum Thema lesen möchtet dann schaut gerne in die Verlinkung in den Show Notes.
00:54:04: Hat euch diese Folge gefallen?
00:54:06: Dann teilt sie gerne, abonniert den Podcast und schreibt uns eure Kommentare an podcast.essen-mit-zukunft.de.
00:54:17: Ich bin Mireille, sage danke fürs Zuhören!
00:54:19: Und bis zur nächsten Folge.
00:54:21: Wenn es wieder heißt ist was.
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